Archiv für Juni 2012

Die Mär vom guten Patrioten

Schon in der Schule wird auf den Unterschied geachtet: Angeblich gibt es zwei Arten von Vaterlandsliebe. Auf der einen Seite die konstruktiven Patrioten, die ihr Land lieben, ohne andere Nationen abzuwerten. Sie sind politisch aktiv und engagieren sich sozial.

Auf der anderen Seite die Nationalisten, die ihr Land verherrlichen und alles Fremde missachten. Sie sind chauvinistisch und ausländerfeindlich. Nach Auffassung des Soziologen Thomas Blank fühlt sich der deutsche Patriot Grundwerten wie Freiheit und Gleichheit verpflichtet und ist stolz auf die sozialen Sicherungssysteme. Der Nationalist ist demgegenüber an Werten wie Macht, Dominanz und kultureller Homogenität orientiert.

Doch eine solche Zweiteilung der Menschen in Patrioten und Nationalisten ist politisch motiviert – sie dient dazu, Patriotismus als wünschenswerte Eigenschaft propagieren zu können. Eine empirische Basis für den Unterschied zwischen Vorzeige- und Schmuddelbürgern gibt es jedoch nicht, wie neueste Untersuchungen zeigen (Wilhelm Heitmeyer: Deutsche Zustände, Folge 5. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2007).

Nach Erkenntnissen des Psychologen Christopher Cohrs von der Universität Jena lassen sich Menschen nicht in gute Patrioten und böse Nationalisten einteilen. Bürger, die sich stark mit ihrem Land identifizieren, so Cohrs, seien anfällig für intolerantes und ausländerfeindliches Gedankengut: „Menschen mit patriotischen Einstellungen lehnen Nationalismus nicht ab. Vielmehr geht beides oft Hand in Hand.“ […]

Auch der vermeintlich harmlose „Partypatriotismus“ während der WM 2006 hat die Deutschen nach Ansicht der Psychologin Julia Becker von der Universität Marburg nicht offener und menschenfreundlicher gemacht. Im Gegenteil: Personen, die im Anschluss an die WM befragt wurden, äußerten sich nationalistischer als eine Vergleichsgruppe vor der WM. Während der WM war zwar „die Welt zu Gast bei Freunden“, so Becker, aber die Deutschen sind dadurch keineswegs gastfreundlicher geworden. […]

Nationales Zusammengehörigkeitsgefühl und Chauvinismus sind zwei Seiten einer Medaille. Das ist in Deutschland nicht anders als in Japan oder den USA, wie Studien belegen. Nach Auffassung der Sozialpsychologin Amélie Mummendey von der Universität Jena tendieren Menschen dazu, ihren Nationalismus euphemistisch als patriotische Haltung zu beschreiben, während der Patriotismus anderer Nationen schnell als feindselig oder übersteigert wahrgenommen wird. (Quelle)

, , , , , ,

Arsch-Rot-Gold

Polen 1996: Deutschlands Freundschaftsspiel in Zabrze, 30 Kilometer von Auschwitz entfernt, gestaltet sich wenig freundschaftlich. Es wird von hunderten Neonazis für ihre Provokationen genutzt. Über das gesamte Spiel werden von einem Großteil des deutschen Blocks rechtsradikale und antisemitische Lieder gesungen. Zudem entrollen Nazis ein Banner mit der Aufschrift: „Schindler-Juden – Wir grüßen Euch“.

Frankreich 1998: Vor dem EM-Spiel gegen Jugoslawien ziehen deutsche Hooligans und Nazis mit Reichskriegsflaggen durch Lens und heizen die Stimmung mit Gesängen wie „Wir sind wieder einmarschiert“ an. Es kommt zu Straßenschlachten, bei denen der Polizist Daniel Nivel ins Koma geprügelt wird. Bereits in den Tagen zuvor gab es im Internet Ankündigungen eines bevorstehenden „Frankreich-Überfalls“.

Slowenien 2005: DFB-Mediendirektor Harald Stenger entschuldigt sich schon vor Beginn des Testspiels über die Stadionlautsprecher beim slowenischen Publikum für die deutschen Fans, die den ganzen Tag in Celje gewütet hatten. Im Stadion gehen die Gewalttaten weiter. Hunderte Hooligans und Nazis reißen Sitze aus der Verankerung, werfen Feuerwerkskörper auf den Rasen und rufen rassistische Parolen.

Slowakei 2005: Laut und deutlich hallen Gesänge wie „Zick-Zack-Zigeunerpack“ durch das Slovan-Stadion von Bratislava und via Fernsehen durch deutsche Wohnzimmer. Fast genau zum 66. Jahrestag des deutschen Einmarschs in Polen dominieren beim Testspiel gegen die Slowakei mindestens 400 Nazis den deutschen Fanblock. Von rassistischen Schmähungen betroffen ist auch der deutsche Nationalspieler Patrick Owomoyela.

Tschechien 2007: Vor einem EM-Qualifikationsspiel in Prag liefern sich hunderte deutsche Fans Hetzjagden mit der Polizei. Auf dem Weg zum Stadion provozieren sie mit dem Singen von Wehrmachtsliedern und Sprüchen wie „Böhmen bleibt deutsch“.

Polen 2012: Nach dem Spiel der DFB-Elf gegen Griechenland in Danzig haben 50 bis 60 deutsche Fans im Zentrum am Neptunbrunnen rechtsradikale Parolen skandiert. Das weiß auch Volker Goll von der Koordinationsstelle Fanprojekte. (Quelle)

, , , , , ,

Lieber sterben als weiter in der Ehe leben

Juni 2012

„[…] Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge begehen in Indien rund 170.000 Menschen pro Jahr Suizid. Das Land verzeichnet damit eine der höchsten Suizidraten weltweit. Selbsttötung ist zudem die zweithäufigste Todesursache junger InderInnen, zeigt nun eine erste repräsentative Studie, die in „The Lancet“ publiziert wurde. […]“

Mehr Infos hier

, ,

Frauen leben in Indien am schlechtesten

Juni 2012

„[…] Jede Stunde wird in Indien eine Frau wegen Mitgift-Streitereien ermordet. Zehntausende Babys werden jedes Jahr abgetrieben, weil sie weiblich sind. Frauen werden vergewaltigt, geschlagen, als Kinder verheiratet und wie Sklavinnen gehalten. Eine Studie der Thomson Reuters Foundation kam nun zu dem Schluss: Indien ist der frauenfeindlichste Staat der G-20, den großen Industrie- und Schwellenländern der Welt. […]“

ganzer Artikel hier

, , ,

Mexico: Anklagen gegen Frauen wegen Schwangerschaftsabbruchs nehmen zu

„“In mindestens 13 mexikanischen Bundesstaaten müssen sich Frauen vor Gericht wegen Schwangerschaftsabbruchs verantworten oder werden des Mordes an einem Familienmitglied angeklagt, nachdem sie eine Fehlgeburt erlitten haben; einige von ihnen befinden sich derzeit in Haft. […] Zu einer Verschlechterung der Situation hat die Tatsache geführt, dass zwischen 2008 und 2010 die Abtreibung in 17 Bundesstaaten unter Strafe gestellt wurde.“

weiter hier

, , , , ,

Zur Fußball-WM 2010: Führt Fußball-Nationalstolz zu Rassismus?

WM 2012

„[…] Zeit, Sportwissenschaftler Gunter A. Pilz zu fragen: Hat die Identifikation mit einer Nationalmannschaft etwas mit Rassismus zu tun? […]“

Beitrag hier

, , ,

Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeit

„Stellungnahme der Arbeitsgruppe Sozialpsychologie an der Philipps-Universität Marburg zu einer aktuellen politischen Diskussion:

„Die verstärkte und undifferenzierte Äußerung von Nationalstolz dürfte dazu beitragen, dass Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit zunehmen.“ Diese Ansicht vertritt die Arbeitsgruppe Sozialpsychologie an der Philipps-Universität in einer aktuellen Stellungnahme. Der Satz „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“ sollte nach Meinung der Marburger Sozialpsychologen im Repertoire von Politikern und Medien nicht vorkommen. […] “

vollständige Beitrag hier

, , , ,

Fußballtaumel und Fremdenfeindlichkeit

WM 2006

“ […] Das Institut für Konflikt- und Gewaltforschung hat sich dem WM-Fußballtaumel befasst. Ergebnisse: Die Fremdenfeindlichkeit wächst. Die These vom „toleranten Patriotismus“ sei „gefährlicher Unsinn“. […]“

Beitrag hier

, , ,

Fußball-WM und Nationalismus

„[…] Nationalismus über Fußball zu vermitteln hat zur Folge, dass kaum ein Mensch reflektiert, was Nationen, Nationalismus und Patriotismus zur Folge haben. Denn wenn mensch Fußball sieht, denkt er nicht an Menschen, die in Abschiebeknästen sitzen oder von deutschen Soldat_innen in Afghanistan umgebracht werden. Aber genau diese Kritik muss im Mittelpunkt stehen, wenn überall Nationalflaggen wehen. Es muss einen kritischen Umgang mit Nationen, Nationalismus und Patriotismus im Allgemeinen geben. Dazu
möchten wir anregen! […]“

Beitrag hier

, , ,

Anpfiff für den Mob

EM 2012

„Die Europameisterschaft ist für Migranten und Linke in Dresden nicht das friedliche Fußballfest, von dem in den Medien gern die Rede ist. Anhänger von Dynamo Dresden machen die Stadt unsicher. […]“

ganzer Artikel

, , , , ,